Konservative Behandlung der Haarausfall

Topische Kortikosteroide werden in Mischungspräparaten gegen Haarausfall angewendet. Ihre Wirkung ist jedoch umstritten. Der Einsatz von Kortikosteroiden scheint entzündungshemmend und immunsuppressiv bei der Alopecia areata und anderen autoimmun-bedingten Alopezieformen, wie zum Beispiel der Lichen planopilaris und Lupus erythematodes, zu wirken. Lokale Kortison-Injektionen werden zur Behandlung der Alopezie areata appliziert.

Hormonpräparaten, wie Kontrazeptiva, Antiandrogene, Spironolacton werden auch im Rahmen der konservativen Behandlung des hormonbedingten Haarausfalls bei Frauen angewendet.

Zu der konservativen Behandlung der Alopecia areata gehören zusätzlich sensibilisierende Wirkstoffe wie das diphencyprone, welches bei ausgedehnten Formen der Alopecia areata totalis und universalis aufgetragen wird. Bei autoimmunbedingten Alopezien und Alopecia areata können auch topische Immunmodulatoren wie Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus) eingesetzt werden.

In der Literatur wird der Einsatz von Biologika (anti-TNF-Inhibitoren, wie Remicade®, Enbrel®, Humira®) in der Behandlung der Alopecia areata diskutiert. Aufgrund des Nebenwirkungsrisikos und deren umstrittenen Wirkung, wird jedoch die Verabreichung von Biologika für die Behandlung der Alopecia areata nicht allgemein akzeptiert.
Bei autoimmunbedingten Alopezien, wie z.B. Lichen planopilaris, diskoider Lupus erythematodes stellen auch Immunsuppressiva eine therapeutische Option dar.
Das Plaquenil (Antimalariamittel Hydroxizin) gilt als Therapie der Wahl bei Lichen planopilaris-induzierter vernarbenden Alopezie.

Eine Vielzahl von Lotionen, Kräutern, Vitaminen unklarer Herkunft und Wirksamkeit werden in Drogeriemärkten oder online verkauft. Auf Präparaten die eine schnelle Wirksamkeit gegen Haarausfall versprechen sollte besonders geachtet werden, oft sind die Ergebnisse nicht befriedigend. Man sollte wissen, dass aktuell keine Wundermedikamente gegen Haarausfall zur Verfügung stehen. Die einzige therapeutische Möglichkeit, die dauerhafte Ergebnisse bei ausgedehntem klinischen Befund verspricht, ist die chirurgische Behandlung mittels Haartransplantation.

Schließlich kann bei einer fortgeschrittenen Alopezie, die auch mittels Haartransplantation nicht erfolgreich behandelt werden kann, die Anwendung eines Additivs (Perücke und Toupet) in Erwägung gezogen werden. Heute kann man Perücken von sehr guter Qualität aus Naturhaar finden, die ein hervorragendes ästhetisches Ergebnis gewährleisten.

Eine hervorragende Abdeckung kann in einigen Fällen mit einer Tätowierung erzielt werden. Die Tätowierungsmethode der Mikropigmentation versucht, die kahlen Läsionen oder eine Narbe auf der Kopfhaut zu verdecken. Das ästhetische Ergebnis erfüllt häufig die Erwartungen des Patienten nicht, aufgrund der falschen Anwendung, der Farbveränderung oder Diffusion des Farbstoffs in benachbarten Gebieten bei gleichzeitiger Verblassung (bleaching Phänomen). In der Regel sind mehrere Sitzungen erforderlich um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Zu den Komplikationen sind allergische Reaktionen oder Infektionen während der Durchführung der Tätowierung beschrieben.

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