Diffuse Alopezie

Bei dem diffusem Haarausfall (diffuse Alopezie) ist das Ausdünnen der Haare in den meisten Fällen gleichmäßig über den Kopf verteilt. Obwohl in der Regel die Haare der Kopfhaut betroffen sind, können ebenfalls die Haare am ganzen Körper betroffen sein.

Es handelt sich um eine Störung des physiologischen Haarzyklus durch den Einfluss von schädlichen Faktoren. Dies führt zu einem spontanen Übergang der „unreifen“ Haare in die Phase der Apoptose, während klinisch eine gesamte Haarlichtung der Kopfhaut, ohne lokalisierten Haarverlust beobachtet wird.

Normalerweise lässt das Phänomen nach einem Zeitraum von 3-4 Monaten oder nach Pausieren der Wirkung des schädlichen Faktors nach und die Haarlosigkeit  wird wiederhergestellt. Frauen sind stärker als Männer betroffen.

Diffuse Alopezie – Einteilung

Die diffuse Alopezie unterscheidet sich nach Trichogrammergebnis wie folgt:

  • Telogener Haarausfall (telogen Effluvium): beschreibt den Vorgang einer fortschreitenden Haarausdünnung durch ein frühzeitiges abruptes Eintreten der Haare in die Telogenphase (letzte Lebensphase des Haarzyklus). Die Haare befinden sich normalerweise etwa 3 Monate in der Anagenphase bevor sie abfallen.
  • Anagen-dystrophische Alopezie. Sie wird durch einen ausgeprägten Haarausfall (bis zu 90% der Haare) aufgrund der Wirkung chemischer oder toxischer Noxen (z.B. Chemotherapie) oder Bestrahlung gekennzeichnet. Nach dem Absetzen des verantwortlichen schädlichen Faktors kommt es erneut zum Haarwachstum.

Vom zeitlichen Verlauf des Haarausfalls abhängig kann die diffuse Alopezie wie folgt klassifiziert werden:

  • akute Form mit plötzlichem Haarverlust
  • subakute Form mit über einige Monate dauerndem Haarausfall
  • chronische diffuse Alopezie mit einer Bestanddauer länger als 6 Monate

Diffuse Alopezie – Ätiologie

diffuse alopezieDie diffuse Alopezie entsteht als Folge der Unterbrechung des physiologischen Haarzyklus.

Sie stellt ein häufiges diagnostisches Problem dar, da die ersten klinischen Beschwerden bis zu 3 Monate nach der Wirkung des schädlichen Faktors auftreten können. Bis zum Zeitpunkt der ersten Symptome ist der Patient von der Wirkung des schädlichen Faktors befreit.

Der diffuse Haarausfall kann durch eine Vielzahl von Faktoren, die sowohl körperlichen als auch psychischen Stress auslösen, oder durch systemische Erkrankungen oder exogene Faktoren wie zum Beispiel Medikamente verursacht werden.

Die folgenden Faktoren sind beschrieben:

  • Körperliche Belastung, beispielsweise nach einer großen Operation, schwere Infektionen, hohes Fieber, akute Blutungen. Auch viele Frauen leiden an diffuser Alopezie direkt oder 3 Monaten nach der Entbindung wegen der großen und abrupten Veränderungen im Hormonspiegel.
  • intensive emotionale Belastung, die besonders eine akute diffuse Alopezie auslöst.
  • chronische Krankheiten wie Anämie, systemischer Lupus erythematodes, Amyloidose, Leberversagen, chronisches Nierenversagen, entzündliche Darmerkrankung, lymphoproliferatives Syndrom, Dermatomyositis, chronische Infektionen wie HIV-Infektion und sekundäre Syphilis.

Auch dermatologische Erkrankungen, wie Psoriasis, Dermatitis und allergische Kontaktdermatitis können eine Telogen-diffuse Alopezie verursachen.

  • Endokrine Erkrankungen. Sowohl Hyperthyreose als auch Hypothyreose und Diabetes mellitus können ein telogenes Effluvium verursachen. Dieses bildet sich jedoch zurück wenn der Patient medikamentös eingestellt wird. Aufgrund der Hormonspiegelveränderungen kann es auch während der Menopause zum Haarausfall kommen.
  • Ernährungsgewohnheiten. Die unzureichende Aufnahme von Protein, Eisen, Zink, essentiellen Fettsäuren und anderen Nährstoffen, wegen erschöpfenden Diäten oder Essstörungen (z.B. Anorexia nervosa) stellen –vor allem bei Frauen- die häufigsten Ursachen des Haarausfalls dar. Malabsorptionssyndrome und Pankreaserkrankungen können auch zu diffuser Alopezie führen. Ebenso der Vitamin D- und Biotin-Mangel.
  • Medikamente wie orale Kontrazeptiva, Androgene, Retinoide zur Behandlung von Akne, Thyreostatika, einige Antidepressiva, Antikoagulantien, Vitamin A, einige Kategorien kardialer Medikamente und einige NSAR können eine diffuse Alopezie verursachen. Auch zytotoxische Chemotherapeutika bei verschiedenen Krebsarten, wirken negativ auf die Anagenphase des Haarzyklus.
  • Die Strahlentherapie kann Haarausfall vor allem an den bestrahlten Regionen induzieren. Bei niedrigen Frequenzen ist dieser reversibel mit minimalem Einwirken auf die Haarqualität.

Diffuse Alopezie – Behandlung

Die diffuse Alopezie zeigt sich in der Regel innerhalb von einigen Monaten ruckläufig, die Haarlichtung der Kopfhaut wird wiederhergestellt und die Haarfollikel bleiben gesund. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch die Identifizierung des auslösenden Faktors durch den behandelten Hautarzt oder plastischen Chirurgen in Kooperation mit dem Patienten. Dies ist wichtig, da die diffuse Alopezie  chronisch werden kann und Vorläufer der androgenetischen Alopezie sein kann. In diesem Fall wächst das Haar schwächer und dünner als vorher nach.

Bei der akuter diffusen telogenen Alopezie muss die Ursache identifiziert werden. Nach Entfernung des schädlichen Faktors kommt es innerhalb von einigen Monaten langsam zum erneuten Haarwachstum. Komplizierter gestaltet sich die Therapie bei der chronisch diffusen telogenen Alopezie, da für ihre Entstehung viele Parameter eine Rolle spielen. Sowohl bei der akuten als auch bei der chronischen Form der diffusen Alopezie ist die Durchführung einer geeigneten nährstoffreichen und proteinreichen Diät von wesentlicher Bedeutung.

Die Ergänzung von Vitamin C zur Förderung der Eisenresorption, B-Komplex-Vitaminen mit anti-Stress-Wirkung, Biotin und Zink, können positiv auf das Nachwachsen der Haare wirken.

Beim Verdacht auf einen medikamentösen Auslöser wird empfohlen diesen mindestens 3 Monate ab- oder umzusetzen, um ihn als Ursache mit Sicherheit ausschließen zu können. Gleichzeitig sollte der Patient für zugrunde liegende Erkrankungen untersucht werden und bei deren Nachweis richtig medikamentös eingestellt werden.

prp für diffuse alopezie

Es liegen aktuell keine speziellen Medikamente für die Behandlung der diffusen Alopezie vor. Die topische Behandlung mit 2% oder 5% Minoxidil-Lösung zweimal täglich auf der Kopfhaut kann insbesondere bei der chronischen diffusen Alopezie hilfreich sein.

Die Behandlung mit PRP (Platelet Rich Plasma) wird derzeit mit ausgezeichneten Ergebnissen in Kombination mit anderen adjuvanten Therapien oder Medikamenten eingesetzt.

Bei der oben genannten Methode wird eine kleine Blutmenge vom Patienten entnommen und zentrifugiert. Im Anschluss wird die zentrifugierte Blutmenge mit einem Zusatz von Calciumchlorid aktiviert und in die betroffenen Areale injiziert.  Dabei werden Wachstums- und Heilungsfaktoren (growth factors) freigesetzt und der Haarwachstumsprozess beschleunigt.

Die PRP kann in monatlichen Abständen wiederholt werden, bis ein zufriedenstellender Haarwuchs wiederhergestellt wird. Jede Sitzung dauert etwa 30 bis 45 Minuten und eine Lokalanästhesie ist nicht erforderlich.

lllt für diffuse alopezie

In Kombination mit der konservativen Therapie kann die LLLT (Low Level Laser Therapie) eingesetzt werden. Die Anwendung von einem Niedrigenergie-Laser mit mobilen Heimgeräten trägt zur Erhöhung der lokalen Durchblutung der betroffenen Areale bei und führt zum erneuten Haarwachstum.

Bei Anagen-dystropher diffusen Alopezie wird ein abwartendes Verhalten mit Überwachung und unterstützenden Maßnahmen empfohlen, vor allem wenn der ätiologische Faktor aus der Anamnese eruierbar ist und für eine gewisse Zeit nicht vermieden werden kann. Insbesondere kann bei jungen Männern mit diffusem Haarausfall als Folge einer vorangegangenen Chemotherapie mit einer bekannten Veranlagung für androgenetische Alopezie folgendes Phänomen beobachtet werden:

nach Beendigung der Chemotherapie wachsen zum Teil die Haare nur in bestimmten Bereichen nach, die üblicherweise durch die androgenetische Alopezie nicht betroffen sind. Der Haarwuchs im Bereich der charakteristischen Lokalisationen einer männlichen androgenetischen Alopezie zeigt sich mangelhaft.

Dadurch entsteht das klinische Bild einer fortgeschrittenen androgenetische Alopezie  V- VII Grades nach der Hamilton – Norwood Skala, die normalerweise erst einige Jahre später auftreten würde. Die Patienten sind psychisch erheblich beeinträchtigt, sodass diese Form der diffusen Alopezie die einzige Indikation für Haartransplantation darstellt. In der Regel gilt die Haartransplantation nicht als Therapie der Wahl bei der diffusen Alopezie, da das Rezidivrisiko erhöht ist.

Wichtig ist, dass der Patient vorerst durch einen dermatologischen Facharzt oder plastischen Chirurgen untersucht wird, bevor das therapeutische Vorgehen individuell festgestellt wird.

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