Androgenetische Alopezie

Bei der androgenetischen Alopezie (Glatze) handelt es sich um die häufigste Form der männlichen Alopezie und eine der häufigsten Forme der weiblichen Alopezie.

Es wird geschätzt, dass 70% der Männer und 40% der Frauen irgendwann in ihrem Leben darunter leiden werden. Jeder zweite Mann leidet unter Haarausfall zum 50. Lebensjahr.

Die androgenetische Alopezie ist an die Wirkung von Androgenen auf die Haarfollikel zurückzuführen. Die genetische Prädisposition und Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung der androgenetischen Alopezie, während die genauen Ursachen unbekannt bleiben.

Viele Studien beschäftigen sich mit den für die Entstehung der androgenetischen Alopezie verantwortlichen Genen. Die meisten befinden sich auf dem X-Chromosom und sind rezessiv. Das heißt, dass Frauen nur selten an androgenetischer Alopezie leiden, da die Existenz von 2 abnormen Genen auf beiden X-Chromosomen vorausgesetzt ist.
Bei den Männern genügt das Vorhandensein eines einzigen Genes auf dem X-Chromosom um das klinische Bild der androgenetischen Alopezie zu entwickeln.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der genetische Hintergrund der androgenetischen Alopezie noch komplexer ist. Sowohl der Beginn der androgenetischen Alopezie als auch der Progress und die Form der Alopezie werden genetisch determiniert.

Das klinische Bild der androgenetischen Alopezie ist bei Männern und Frauen unterschiedlich. Die klassische männliche androgenetische Alopezie wird durch den Haarverlust zunächst im Bereich der Stirn-Haar-Grenze (Geheimratsecken) und im späteren Verlauf im Vertex Bereich (Tonsur) mit allmählichem Rückgang des Haaransatzes gekennzeichnet. Selbst bei fortgeschrittenen Stadien bleibt ein Haarkranz am unteren Hinterkopf (okzipital) und im Bereich der unteren Schläfenanteile (parietal) erhalten. Zu einem kompletten Haarausfall kommt es nur selten vor.

Die Androgene sind wichtige Wachstumshormone des männlichen Geschlechts. Sie modulieren die Talgdrüsenfunktion, stimulieren das Haarwachstum im Gesicht und Körper und unterdrücken den Haarwuchs frontotemporal, was zu dem klinischen Bild der männlichen androgenetischen Alopezie führt.

Bei der androgenetischen Alopezie wurde eine Erhöhung des Enzyms 5-alpha-Reduktase festgestellt. Das freie Testosteron und Dihydrotestosteron zeigen sich ebenso erhöht und die Gesamtandrogene reduziert.

Durch das Enzym 5-alpha-Reduktase wird das freie Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) im Haarfollikel umgewandelt. Andere Faktoren, die zur Entwicklung der androgenetischen Alopezie beitragen sind psychische Erkrankungen, Herzerkrankungen und Prostatakrebs.

Die weibliche androgenetischen Alopezie tritt in der Regel mit einer diffusen Haarausdünnung ohne Rückzug des Haaransatzes. Die Haarlichtung ist vor allem im Bereich des Scheitels deutlich intensiver. Im Gegensatz zu Männern führt die weibliche Alopezie nur selten zum vollständigen Haarverlust der betroffenen Areale.

Neben der Veranlagung gibt es noch weitere Faktoren, die für die Entstehung der weiblichen androgenetischen Alopezie eine Rolle spielen. Solche Faktoren sind die Reduktion der weiblichen Hormone in den Wechseljahren, PCO-Syndrom, kongenitale adrenale Hyperplasie, virilisierende Nebennierentumore und Ovarialkarzinome (Eierstocktumore), das Cushing-Syndrom und die chronische Kortisoneinnahme.

Eine neue Studie mit monozygoten (eineiigen) weiblichen Zwillingen ergab, dass mehrere Faktoren mit einer erhöhten Inzidenz der androgenetischen Alopezie verbunden sind. Solche Faktoren sind der Diabetes mellitus, Bluthochdruck, mangelnde Bewegung, langes Schlafen und eine instabile eheliche Beziehung.

Eine massive UV-Belastung scheint ebenso zur Entstehung der weiblichen androgenetischen Alopezie beizutragen. Schließlich führt noch der Stress zu einer Beschleunigung des Haarausfallprozesses bei Männern und Frauen.

Die psychologischen Auswirkungen der androgenetischen Alopezie sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen enorm, da das reiche und gesunde Haar als Schönheitsideal gilt. Die Patienten haben ein geringes Selbstvertrauen, ein mangelhaftes Sozialleben und Schwierigkeiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Dies erklärt, warum immer mehr Menschen mit androgenetischer Alopezie nach einer Lösung ihres Problems suchen.

Die Diagnose wird grundsätzlich klinisch gestellt. Das Trichogramm stellt eines der ältesten diagnostischen Verfahren bei androgenetischer Alopezie dar. Dabei zeigt sich eine stark erhöhte Telogenrate und eine erhöhte Anzahl der dystrophen Haare. Empfohlen wird zusätzlich die Durchführung einer kompletten hämatologischen und hormonellen Kontrolle, um zugrundeliegenden Erkrankungen auszuschließen. Dies ist insbesondere bei Frauen mit androgenetischer Alopezie wichtig.

Bei der Trichoskopie handelt sich um eine neue der Dermatoskopie äquivalente diagnostische Methode. Dabei wird mit einer digitalen Mikrokamera der betroffene Bereich dargestellt und das so genannte Phototrichogramm durchgeführt. Bei diagnostisch unklaren Fällen ist die Durchführung einer Kopfhautbiopsie wegweisend.

Androgenetische Alopezie – Klassifikation

Die androgenetische Alopezie wird je nach Schwere und Entwicklungsgrad mit Hilfe der Norwood-Hamilton Skala bei den Männern und mit der Ludwig Skala bei den Frauen klassifiziert.

norwood-hamilton scale Androgenetische Alopezie     Androgenetische Alopezie Ludwig scale

Androgenetische Alopezie – Behandlung

Die androgenetische Alopezie stellt ein ernstes kosmetisches Problem mit erheblichen psychologischen Auswirkungen dar, sodass der Bedarf für eine wirksame Therapie sehr groß ist. Die Notwendigkeit für wirksame Behandlung , äußert sich auch durch die Vielzahl von Produkten (Cremes, Lotionen, Vitamine und Shampoos) die gegen Haarausfall zur Verfügung stehen und eine Wirksamkeit versprechen.

Die Behandlung der androgenetischen Alopezie wird in der Regel in nicht-hormonellen Therapie, der hormonellen Therapie und der chirurgischen Therapie unterteilt.

Die einzige erfolgreiche nicht hormonelle Therapie der androgenetischen Alopezie stellt die Lokaltherapie mit Minoxidil (2% und 5%-Lösung) dar. Das Minoxidil steht in der Form einer Lotion oder Schaum zur Verfügung. Durch die topische Anwendung von 1ml Minoxidil zweimal täglich kann es zu einer wesentlichen Reduktion des Haarausfalls kommen.

Bei dem Minoxidil handelt sich um einen biologischen Modifikator, welcher einer Erhöhung der Durchblutung der Kopfhaut induziert. Die Therapie sollte für mehrere Monate durchgeführt werden.

Neue Studien haben gezeigt, dass Minoxidil auf den Mechanismus der Alopezie durch die Verlängerung der Anagenphase beruht. Somit verlängert sich die Lebensdauer der Haare. Der Höhepunkt der Therapie wird sechs Monaten nach einer Dauerbehandlung erreicht. Beim Absetzen der Therapie lassen jedoch alle positiven Auswirkungen der Behandlung nach. Es wurde nachgewiesen, dass nach einer Anwendungspause von länger als 15 aufeinander folgenden Tagen zu einer Regression mit erneutem Haarausfall kommt.

Die Nebenwirkungen von Minoxidil sind moderat schließen Hauttrockenheit, Reizung, Schuppung der Kopfhaut, Hirsutismus (übermäßige Behaarung) des Gesichtes und selten allergische Dermatitis ein.

Wenn die weibliche androgenetische Alopezie an das polyzystische Ovarialsyndrom  zurückzuführen ist, stellen Kontrazeptiva die Therapie der ersten Wahl dar. Frauen nach der Menopause können mit einer Hormonersatztherapie mit Östrogen und Progesteron behandelt werden. Das Spironolacton wird auch bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen eingesetzt. Das Spironolacton reduziert die Androgen-Produktion und die Aktivität der 5-alpha-Reduktase.

Der Hauptrepräsentant der hormonelle Behandlung der männlichen androgenetischen Alopezie stellt das Antiandrogen Finasterid dar. Es handelt sich um einen 5-alpha-Reduktase-Inhibitor und wird oral in einer Dosis von 1 mg pro Tag verabreicht.

Das Finasterid gilt als ein vielsprechendes Arzneimittel gegen Haarausfall. Es stoppt den Haarverlust der Männer zu 90% und führt zu erneutem Haarwuchs bei 65%. Das Finasterid ist effektiver bei jüngeren Patienten, bis zum 30. Lebensjahr, mit beginnendem Haarausfall im Stadium I-IV nach Norwood-Hamilton-Skala. Im höheren Alter lässt die Wirksamkeit aufgrund der Reduktion von Androgenen im Blut nach.

Es ist bekannt, dass das Finasterid den PSA-Spiegel im Blut reduziert und dadurch ein mögliches Prostatakarzinom verbergen kann. Aus diesem Grund ist der Einsatz der Therapie bei Patienten von über 50 Jahren alt bedenklich und sollte am besten vermieden werden.

Bei der weiblichen androgenetischen Alopezie sollte das Finasterid erst nach der Menopause eingesetzt werden.

Zu den Nebenwirkungen von Finasterid gehören die Reduzierung der Libido und die Gynäkomastie.

Die Haartransplantation stellt die einzige Behandlungsmethode dar, die eine dauerhafte Lösung zum Thema androgenetische Alopezie anbieten kann. Aktuell wird die FUE-Technik bevorzugt, diese ist schmerz- und nahtfrei und hinterlässt keine Narben. Außerdem garantiert sie natürliche Ergebnisse.

Die Haartransplantation mit der FUE-Technik kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen unabhängig vom Alter oder Stadium der androgenetischen Alopezie durchgeführt werden.

Die FUT-Technik auch als Streifentechnik bekannt, wird in der Behandlung der androgenetischen Alopezie immer noch durchgeführt. In den letzten Jahren wird sie jedoch immer häufiger von der nicht invasiven FUE-Technik ersetzt.

Andere moderne Behandlungsmethoden der androgenetischen Alopezie stellen die Low Level Laser-Therapie (LLLT) oder Lasercomb und die autologe Mesotherapie mit PRP (Platelet Rich Plasma). Bei der PRP-Behandlung wird Plasma aus dem Eigenblut des Patienten in die betroffene Bereiche injiziert.

Zuvor wird das Plasma nach entsprechender Aufarbeitung aktiviert und dadurch werden Wachstumsfaktoren freigesetzt. Durch die Injektion des aktivierten Plasmas kommt es zu Zellvermehrung, Verbesserung der Durchblutung der Kopfhaut und Verstärkung der leidenden Haarfollikel. Die PRP Behandlung stellt eine hoch effektive moderne therapeutische Methode bei der androgenetischen Alopezie dar, welche die eigene Heilungskraft des Körpers nutzt.

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