Alopecia areata

Bei der Alopecia areata handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, welche durch einen Teil- oder kompletten Haarverlust an der Kopfhaut oder am Körper gekennzeichnet ist. Die Alopecia areata betrifft 1- 2% der Bevölkerung. Es zeigt sich keine eindeutige Geschlechtspräferenz und am häufigsten sind Kinder und Jugendliche betroffen.

Der autoimmune Hintergrund der Alopecia areata wird durch ihre Assoziation mit anderen autoimmunbedingten Erkrankungen wie Vitiligo, Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Addison sowie Autoimmun-Polyendokrinopathie belegt. Häufig kommt die Alopecia areata auch bei Patienten mit atopischer Dermatitis und Down-Syndrom vor.

Die Klassifizierung der Alopecia areata:

  1. Alopecia areata localisata, umschriebene Einzelherdplatte. Bei dieser Form ist das klinische Bild durch eine isolierte kreisrunde oder ovale Kahlstelle hauptsächlich im Kopfbereich gekennzeichnet.
  2. Alopecia areata localisata, multiple umschriebene Herde. Bei dieser Form der Alopecia areata zeigen sich eine oder mehrere Herde am Kopf oder Körper.
  3. Ophiasis. Sonderform der Alopecia areata mit Lokalisation der Herde in den Randgebieten des Haaransatzes okzipital im Nacken mit wellenförmiger Ausbreitung aurikulär. Diese Form der Alopecia areata hat eine ungünstige Prognose, da sie eine Progressionstendenz zeigt und oft zur Alopecia totalis führt.
  4. Alopecia areata totalis. Bei dieser Form kommt es zu einem Haarverlust der gesamten Kopfhaut.
  5. Alopecia areata universalis. Bei dieser Form der Alopecia areata kommt es zum Verlust aller Körperhaare.
  6. Alopecia areata diffusa. Sie wird häufiger bei Patienten mit androgenetischer Alopezie getroffen.

Die Alopecia areata totalis und universalis sind relativ selten und kommen nur bei 1-2% der Patienten mit Alopecia areata vor.

Neben der autoimmunbedingten Genese der Alopecia areata spielen auch andere ätiologische Faktoren eine Rolle. Solche Faktoren sind der chronische oder akute psychischer und körperlicher Stress wie zum Beispiel beim Fieber, Infektionen und Tumoren. Das Auftreten von Alopecia areata kann durch ein lokales Trauma, virale oder bakterielle Infektionen, Schwangerschaft, Hormonstörungen, Chemikalien, allergische Reaktionen und saisonale Veränderungen induziert werden.

Die ersten Symptome sind typischerweise kleine kahle runde oder ovale Herde. Die zugrunde liegende Haut erscheint normal, ohne Narbenbildung. Am häufigsten sind die Haare des Kopfes und der Bartregion betroffen aber grundsätzlich können die kahlen Herde auf behaarter Haut am ganzen Körper auftreten. Die Herde sind bei der Alopecia areata in der Regel asymptomatisch, obwohl sie selten juckend oder leicht schmerzhaft sein können.

Die Krankheit kann einen selbstlimitierenden oder einen chronisch aktiven Verlauf mit konstanten Herden haben. Die Haare fallen in kurzer Zeit ab, wobei auch Fälle von Patienten die über Nacht ihr komplettes Haar verloren haben, beschrieben worden sind. Bei der klinischen Untersuchung findet man häufig dünne Haare, die sogenannte „Ausrufezeichen-Haare“, am Rand der betroffenen Läsionen. Diese sind kurz abgebrochene Haare, die im Bereich der Haarwurzel dünner werden.

Bei der aktiven Alopecia areata kann man die Haare leicht auszupfen, während die nachwachsenden Haare in der Regel weiß sind. Neben den Haarveränderungen können auch Nagelveränderungen vorhanden sein, wie kleine Grübchen oder Rillen auf der Nagelplatte.

Die Alopecia areata hat oft eine Auswirkung auf die Psyche des Patienten und wird häufig von Depression und sozialer Phobie begleitet.

Die Diagnose der Alopecia areata wird hauptsächlich klinisch gestellt. Durch das Trichogramm kann man dystrophische Anagenhaare und eine erhöhte Anzahl von Telogenhaaren erkennen. Mittels Trichoskopie und Biopsie kann die Diagnose bestätigt werden. Histologisch zeigt sich eine Lymphozyten Infiltration und Haardegeneration.

Die Prognose der Alopecia areata ist schwierig. Die nach der Pubertät aufgetretenen Alopecia areata scheint in der Regel eine gute Prognose zu haben, mit Nachwachsen der Haare innerhalb von 4 bis 10 Monaten bei 80% der Fälle. Schlechte prognostische Faktoren sind die Alopecia areata totalis, häufige Rezidive der Alopecia areata, die Ophiasis und das Vorhandensein von Nagelveränderungen.

Alopecia areata-Therapie

Die Behandlung der Alopecia areata ist von essentieller Bedeutung, da der durch die Erkrankung ausgelöster Stress und die psychische Belastung des Patienten zu einer Verschlechterung des Hautzustandes führt. Die Therapie verbessert wesentlich das Sozialleben und die Lebensqualität des Patienten.

Das therapeutische Vorgehen bei der Alopecia areata localisata mit kleinen Herden besteht aus der topischen Anwendung von kortisonhaltigen Cremes oder der Applikation von Injektionen mit Kortison. Das Kortikosteroid der Wahl ist hierbei Triamcinolonacetonid.  Die Wirksamkeit der topischen Therapie mit Kortikosteroiden ist bei der Alopecia areata totalis und universalis sowie beim ausgeprägten Haarverlust mangelhaft. Der Einsatz von systemischen Kortikosteroiden sollte bei der Alopecia areata vermieden werden, da es nach dem Absetzen des Medikamentes zum erneuten Rezidiv kommt. Außerdem ist die systemische Kortisongabe mit vielen Nebenwirkungen verbunden.

Ergänzend wird die Applikation einer 5% Minoxidil-Lösung in der Behandlung der Alopecia areata durchgeführt. Alternativ können andere Reizstoffe wie Teer und Anthralin hilfreich sein. Topische Immunmodulatoren wie Tacrolimus (Protopic®) finden ebenso bei der Behandlung kleiner Herde an der Kopfhaut und im Gesicht eine Anwendung. Darunter kommt es zu einer Stabilisierung des Hautbefundes ohne Größenzunahme der betroffenen Areale.

Die topische Immuntherapie ist die effektivste Behandlungsoption bei der Alopecia areata. Sie kommt in der Regel bei ausgedehnten Formen der Alopezie der Kopfhaut zum Einsatz. Die verwendeten Mittel sind Diphenylcyclopropenon (DPCP) und SADBE (Quadratsäuredibutylester). Durch die Applikation der oben genannten Substanzen wird eine Sensibilisierung erzeugt. Diese werden schrittweise in einer zunehmenden Konzentration appliziert. Die induzierte allergische Dermatitis löst die Reduktion der Lymphozytenpopulation in den betroffenen Läsionen aus, was zum Nachwachsen der Haare führt. Als Nebenwirkungen können nach der Behandlung eine lokale Reizung und eine Lymphknotenschwellung auftreten. Die topische Immuntherapie darf bei Kindern unter 10 Jahren nicht eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit liegt bei 50%.

Bei der Behandlung der Alopecia areata kann zusätzlich die PUVA-Lichttherapie durchgeführt werden. Die durch die PUVA induzierte lokale Immunsuppression führt zum Nachwachsen der Haare an den kahlen Stellen. Die Wirksamkeit dieser Behandlung liegt in einigen Fällen bei 30%. Als Nebenwirkungen sind Brennen, Reizung, allergische Reaktionen und erhöhtes Hautkrebsrisiko beschrieben. Die PUVA-Lichttherapie darf bei Patienten die jünger als 12 Jahre alt sind, nicht durchgeführt werden. Eine ähnliche immunsuppressive Wirkung kann durch den Excimer-Laser bei 308nm erzeugt werden, wobei die Nebenwirkungen der PUVA-Therapie fehlen.

Die anti-TNF-Blocker (Infliximab, Adalimumab, Etanercept) wurden bei den ausgeprägten Formen der Alopecia areata mit Erfolg eingesetzt.

Mehrere Studien werden aktuell zum Thema Gentherapie der Alopecia areata durchgeführt. Bis jetzt wurden acht Gene isoliert, die sowohl mit der Alopecia areata als auch mit anderen Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis und Typ-1-Diabetes assoziiert sind.

Schließlich sollte die Verwendung eines Additivs (Perücke) bei therapierefraktären Fällen berücksichtigt werden, da dadurch ein positiver Einfluss auf psychischer Ebene erreicht werden kann, eine sehr wichtige Komponente in der Behandlung der Alopecia areata.

Heutzutage stehen Perücken von guter Qualität zur Verfügung mit einem guten ästhetischen Ergebnis. Sie können so lange wie vom Patienten gewünscht getragen werden bis die ersten Therapie-Ergebnisse sichtbar sind.

BEHANDLUNG DER ALOPECIA AREATA MIT AUTOLOGER MESOTHERAPIE MIT PRP

Die neueste Entwicklung in der Therapie der Alopecia areata stellt die vielversprechende Therapie mit PRP (Plättchen-reiches Plasma / Platelet Rich Plasma) dar. Die PRP-Behandlung wird seit vielen Jahren in der Behandlung von Wunden, Verbrennungen und chronischen Ulzera eingesetzt. Durch das PRP wird die Wundheilung beschleunigt und die Narbenqualität deutlich verbessert. In den letzten Jahren wird sie mit großem Erfolg sowohl als konservative Therapie in der Behandlung des Haarausfalls als auch adjuvant als Erhaltungstherapie nach Haartransplantationen eingesetzt.

Bei der Behandlung mit PRP wird zunächst vom Patienten eine kleine Blutmenge entnommen. Diese wird anschließend zentrifugiert und dadurch plättchenreiches Blutplasma gewonnen. Die Blutplättchen werden im Anschluss durch die Zugabe von Calciumchlorid-Ionen aktiviert. Dadurch wird eine erhebliche Menge an Wachstumsfaktoren (growth factors) freigesetzt, welche die Stammzellen im Haarfollikel stimulieren. Sie stimulieren zusätzlich die lokale Heilkraft des Körpers und verstärken die Zellvermehrung, die zum Heilungsprozess und der normalen Funktion der Haut und ihrer Komponenten beitragen.

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Die PRP-Therapie ist schmerzfrei. Für die Behandlung wird eine 30G Mikronadel angewendet, somit ist keine Lokalanästhesie erforderlich. Jede Sitzung dauert 30-40 Minuten und eine Hautreizung ist nicht zu erwarten. Das aktuelle Therapieprotokoll schlägt initial die Durchführung von 3-4 Sitzungen in monatlichen Abständen vor und im Verlauf eine Wiederholung der Behandlung alle 3-6 Monate. Das klinische Ansprechen auf die Behandlung mit PRP variiert. Die ersten Ergebnisse können sich sofort zeigen, sogar unmittelbar nach der ersten Sitzung, wobei in der Regel die Ergebnisse erst nach den ersten 2-3 Sitzungen sichtbar sind.

In der Advanced Hair Clinics wird die PRP-Behandlung beim Haarausfall und Alopezie unterschiedlicher Genese vor allem bei der androgenetischen oder diffusen Alopezie bei Männern und Frauen mit großem Erfolg eingesetzt.

Die PRP-Therapie wurde auch mit beeindruckenden Ergebnissen bei vielen Patienten mit Alopecia areata – einschließlich der universalen und totalen Form – eingesetzt. Nach der PRP-Behandlung kam es sogar bei jungen Patienten mit Alopecia areata universalis mit chronischem über 5 Jahren bestehenden therapierefraktären Verlauf zum erneuten Haarwuchs.

HAARTRANSPLANTATION MIT DER FUE-TECHNIK BEI DER ALOPECIA AREATA

Grundsätzlich gehört die Haartransplantation nicht zu den häufig eingesetzten Methoden in der Behandlung der Alopecia areata. Dies gilt insbesondere bei der  Alopecia areata universalis, wo die Behaarung der Donor-Region nicht ausreichend zur Deckung der haarlosen Areale ist. Die Haartransplantation mit der FUE-Technik kann jedoch bei einigen Fällen der lokalisierten Form der Alopecia areata mit Erfolg durchgeführt werden.

Diese Methode wird vor allem bei Patienten mit über einem Jahr bestehenden kleinen, lokalisierten, scharf begrenzten, größenkonstanten Herden ausgewählt, sodass mit relativer Sicherheit ein spontanes Nachwachsen der Haare in den betroffenen Arealen ausgeschlossen ist. Nach der FUE-Technik werden Haarfollikel aus der Donor-Region im Hinterkopf auf die betroffene Areale übertragen und implantiert.

Innerhalb von 10 bis 12 Monaten kommt es zum Nachwachsen der Haare. Die Ergebnisse sind ausgezeichnet.

Bei der Alopecia areata sind häufig ausschließlich die Augenbrauen betroffen und die übrige Kopfhaut bleibt symptomfrei. Die Patienten können in diesem Fall von einer Haartransplantation mit FUE profitieren. Die Ergebnisse sind exzellent und auf psychischer Ebene von wesentlicher Bedeutung, da oft durch die Erkrankung das Selbstbewusstsein des Patienten beeinträchtigt ist.

Die Haartransplantation nach FUE -Technik sollte bei Patienten mit Alopecia areata immer nach detaillierter Aufklärung über die Erkrankung und vor allem über das Rückfallrisiko durchgeführt werden. Insbesondere sollte der Patient über die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Läsionen an den gleichen oder anderen Stellen informiert werden, was in Bezug auf Zeit, Ausdehnung und Lokalisation nicht vorhersehbar ist.

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Daher sollte dem Patient mit Alopecia areata oder anderen Formen der Alopezie ausreichend aufgeklärt werden. Hier stellt für eine erfolgreiche Haartransplantation mit FUE das Vorhandensein von chronischen größenkonstanten Herden ohne Rückfall der Alopecia areata in der Zukunft eine Voraussetzung dar.

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